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Maxie ist Buchhändlerin in unserer Tyrolia-Filiale in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck. Ihre Spezialität sind Kochbücher - aber in ihrer Freizeit verschlingt sie alle möglichen Bücher, von Romanen bis zu den spannendsten Thrillern.
Ein neuer Roman von Louise Penny, der nicht Chief Inspector Gamache als Hauptfigur hat?
Ich war extrem gespannt, was Louise Penny dieses Mal – so ganz abseits der vertrauten Pfade (und ja, ich weiß: Es gibt schon ein anderes Buch von ihr, gemeinsam mit Hillary Clinton verfasst, das nicht in meinem geliebten kleinen Dörfchen Three Pines spielt) – geschrieben hat, und was soll ich sagen? Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht!
„Der letzte Weckruf“ ist ein extrem spannender Roman, den man atemlos liest und aufmerksam lesen muss, weil er sehr komplex ist.
Die Geschichte rund um Vivien und Alice, Mutter und Tocher, deren schwierige Beziehung in einer Zeit größter Gefahren auf eine Zerreißprobe gestellt wird, ist deswegen so gut, weil Penny es wie immer meisterhaft versteht, ihre Figuren zu entwickeln, so dass man sie mit der Zeit wirklich zu kennen glaubt.
Das Szenario, das Penny und ihre Mitautorin, die Journalistin Mellissa Fung, entwerfen, ist bedrohlich und erschreckend realistisch:
Die nächste Generation der künstlichen Intelligenz und verzerrte Fakten, Politiker, die völlig außer Kontrolle zu sein scheinen, eine skrupellose, weltweit operierende Terrororganisation und Anschlagspläne, die einen weltweiten Krieg auslösen könnten – das alles ergibt einen politischen Thriller, bei dem die Beklemmung von Seite zu Seite zunimmt und man sich immer wieder denkt bzw. hofft: Vieles davon ist ja längst Realität, aber so verheerend kann es doch wohl niemals werden?!
„Der letzte Weckruf“ ist aber nicht nur eine Geschichte von politischen Machenschaften, sondern zugleich die einer belasteten Mutter-Tochter-Beziehung; es geht um alte Wunden und das Bedürfnis, sich einem Elternteil verbunden zu fühlen, es geht – wie immer bei Louise Penny – ganz viel um Liebe und tiefe Freundschaft.
Bei all den Schrecklichkeiten, die sie hier beschreibt, blitzt zum Glück auch immer wieder der Witz und der Schalk durch, der auch für ihren Inspector Gamache so typisch ist.
Und Louise Penny wäre nicht Louise Penny, wenn es sich nicht auch in diesem Roman ganz oft um gutes Essen drehen würde!
Ganz klare Lese-Empfehlung von mir – und ich bin gespannt, was sie als nächstes für ihre Leserinnen und Leser parat hat… solange sie Armand Gamache nicht in den Ruhestand schickt.
Viel deutlicher kann ein Romantitel wohl kaum sein. Und tatsächlich beginnt Paul Murrays gewaltiger Roman genau dort, wo andere enden: Der vierzehnjährige Daniel „Skippy“ Juster bricht während eines Donut-Wettessens zusammen und stirbt. Die eigentliche Geschichte beginnt erst danach – oder vielmehr davor. Denn Murray erzählt in den folgenden fast 800 Seiten, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Schauplatz ist das katholische Eliteinternat Seabrook College in Dublin. Dort teilt sich Skippy das Zimmer mit Ruprecht Van Doren, einem übergewichtigen Mathematikgenie, das fest davon überzeugt ist, mithilfe der Stringtheorie ein Tor in ein Paralleluniversum öffnen zu können. Während Ruprecht über die großen Rätsel des Universums nachdenkt, beschäftigt Skippy vor allem eines: Lori, das schönste Mädchen von der benachbarten Mädchenschule. Dass ausgerechnet der skrupellose Carl ebenfalls ein Auge auf sie geworfen hat, macht die Sache nicht einfacher.
Was zunächst wie ein Internatsroman voller schräger Figuren und skurriler Situationen wirkt, entwickelt sich nach und nach zu etwas viel Größerem. Es geht um erste Liebe, Freundschaft, Mobbing, Leistungsdruck, Drogen, Missbrauch, Einsamkeit und die Frage, wie gut Erwachsene Jugendliche eigentlich wirklich kennen. Dabei erzählt Paul Murray mal urkomisch, mal erschütternd traurig – manchmal sogar innerhalb weniger Seiten.
Ich habe selten ein Buch gelesen, das so mühelos zwischen Slapstick und tiefem Ernst wechselt. Eben noch lacht man über die herrlich schrägen Dialoge und die absurden Einfälle der Internatsschüler, im nächsten Moment zieht einem Murray den Boden unter den Füßen weg.
Allerdings braucht dieser Roman auch Geduld. Murray liebt Abschweifungen, gönnt fast jeder Nebenfigur ihre eigene Geschichte und verliert sich gelegentlich in naturwissenschaftlichen Exkursen oder philosophischen Gedankenspielen. Nicht jede dieser Umwege hat mich gleichermaßen überzeugt; an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Straffung gewünscht.
Trotzdem: Je länger man liest, desto deutlicher wird, dass all diese Figuren, Gespräche und Nebengeschichten Teil eines großen Ganzen sind. Und irgendwann versteht man, dass „Skippy stirbt“ gar nicht in erster Linie ein Roman über den Tod eines Jungen ist, sondern über das Erwachsenwerden – mit all seiner Komik, seiner Grausamkeit und seiner Zerbrechlichkeit.
Mein Fazit:
„Skippy stirbt“ ist kein leichtes Buch, weder wegen seines Umfangs noch wegen seiner Themen. Aber es ist eines dieser seltenen Bücher, die gleichzeitig urkomisch und herzzerreißend sein können. Ein Roman voller Leben – obwohl sein Titel das genaue Gegenteil verspricht.
„Ich stehe auf und denke: Wieder ein Tag.“
Viel mehr braucht Helga Schubert eigentlich nicht, um den Ton ihres Buches zu setzen. Es sind keine großen Ereignisse, keine spektakulären Wendungen, die sie interessieren. Es sind die kleinen Momente eines langen Lebens. Erinnerungen, Begegnungen, Beobachtungen, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen.
„Vom Aufstehen“ ist kein Roman im klassischen Sinn, sondern eine Sammlung kurzer autobiografischer Texte. Mal blickt Schubert auf ihre Kindheit in der DDR zurück, mal erzählt sie von der schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter, von ihrem schwerkranken Mann, vom Älterwerden, von der Natur rund um ihr Haus in Mecklenburg oder einfach von einem Gedanken, der sie beim morgendlichen Aufstehen beschäftigt.
Gerade diese Unaufgeregtheit hat mir oft gut gefallen. Schubert gelingt es, in wenigen Sätzen eine Stimmung entstehen zu lassen oder einen Gedanken so zu formulieren, dass man ihn gerne noch eine Weile mit sich herumträgt. Manche Miniaturen haben mich wirklich berührt.
Andere dagegen haben mich etwas ratlos zurückgelassen.
Nicht, weil ich sie nicht verstanden hätte, sondern weil ich immer wieder das Gefühl hatte, dass sie genau dort enden, wo sie eigentlich erst anfangen. Dass da noch etwas fehlt. Ein Gedanke, der zu Ende gedacht werden möchte. Eine Erinnerung, die weitererzählt werden müsste. Manche Texte wirkten auf mich eher wie Skizzen als wie abgeschlossene Erzählungen.
Vielleicht ist genau das gewollt. Vielleicht liegt gerade darin der Reiz dieses Buches.
Mich hat diese Offenheit allerdings nicht immer überzeugt und auch in unserem Lesezirkel wurde das Buch durchaus kontrovers diskutiert.
Ich bin ja nun wirklich nicht die Zielgruppe, aber im Urlaub werden Bücher halt getauscht.
Jennifer Lynn Barnes nimmt uns in ihrem Roman „Little White Lies“ mit in die High-Society der Südstaaten, und irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, wenn schon nicht direkt auf Tara bei Scarlett O’Hara in „Vom Winde verweht“ gelandet zu sein, dann doch wenigstens in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Die Geschichte spielt aber tatsächlich in der aktuellen Zeit, aber wer weiß? Vielleicht geht es in der Welt der weißgewandeten und behandschuhten Debütantinnen der Upper Class wirklich genauso zu.
Aber auch Hauptfigur Sawyer Taft hat das Gefühl, „in eine Art schräges Wunderland“ geraten zu sein.
War sie eben noch das Mädchen aus der Kleinstadt, das über einer Kneipe aufwächst und in einer Autowerkstatt arbeitet, ist sie nun eine der bereits erwähnten Debütantinnen auf dem Anwesen ihrer stinkreichen und enorm einflussreichen Großmutter, die ihr bis vor kurzem gänzlich unbekannt war.
Wie es dazu kommen konnte, und was Sawyer – an der Stelle würde mich mal interessieren, ob es anderen Leserinnen auch so ging: Obwohl ich kein Fan bin, musste ich mich regelrecht zwingen, wirklich immer „Sawyer Taft“ und nicht „Taylor Swift“ zu lesen – in dieser vordergründig so noblen, aber hinter den Kulissen extrem intriganten Welt erlebt und welches skandalöse Abenteuer sie mit ihrer Cousine Lily und deren bester Freundin, der braven Sadie-Grace, und der durchtriebenen Senatorentocher Campbell erlebt, das ist gleichermaßen hanebüchen wie unterhaltsam.
Ich habe zwar während des Lesens so viel gelästert und gemeckert über die haarsträubende Geschichte, dass ich meiner Tochter, der das Buch eigentlich gehört, fast die Lust am selber lesen verdorben hätte – aber gleichzeitig muss ich jetzt auch zugeben, dass ich nicht völlig abgeneigt bin, demnächst auch noch den zweiten Teil zu lesen.
Denn der kurze Teaser für „Deadly Little Scandals“ facht die Neugier, wie es mit den Mädels weitergeht, natürlich an…
Simon Bajada, gebürtiger Australier, aber schon länger in Schweden lebend, arbeitete zunächst einige Jahre als ausgebildeter Koch und ist jetzt Foodstylist und Reisefotograf.
Das merkt man seinem prächtigen Buch „Modern Nordic“ an. Es ist nicht einfach „nur“ ein Kochbuch mit tollen Rezepten, sondern – zumindest für mich – ein prächtiger Bildband, der die Sehnsucht nach Skandinavien ganz gut befeuert!
Bajada schreibt es selbst: „Ja, in diesem Buch stehen Rezepte zum Nachkochen, aber darum geht es nicht allein.“
Verwendete Zutaten und Methoden sollen genauso wie die eingestreuten Geschichten und Anekdoten ein Verständnis für die Essgewohnheiten und Kochtechniken der jeweiligen Region vermitteln und damit auch unseren Küchen und unserem Zuhause „etwas nordischen Stil einhauchen“.
Vielleicht weniger ein Kochbuch, das man im Alltag dauernd verwendet, als ein Coffeetable-Book, das zum Schwärmen und Schwelgen einlädt.
Auf jeden Fall ein Buch, das man unbedingt in seiner Kochbuch-Sammlung haben möchte!
Die Australierin Donna Hay ist mit knapp dreißig veröffentlichten Büchern eine der weltweit erfolgreichsten Kochbuchautorinnen.
Ihr neues Werk „Sunshine, Lemons and Sea Salt” ist schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher für diesen Sommer.
Ihr Erfolgsrezept: Wenige Zutaten, wenige Arbeitsschritte, viel Geschmack. Und wie immer wunderbare Fotos – da merkt man dann schon, dass sie auch Foodstylistin ist. Noch dazu sind die Bilder für das Buch in ihrem Haus am Bondi Beach entstanden.
„Das Leben am Meer gibt meinem Essen unzweifelhaft einen entspannten, frischen und sonnigen Spirit“, sagt Hay – diese Stimmung in der eigenen, nicht am Meer gelegenen Küche einzufangen, ist natürlich nicht ganz so einfach.
Die Rezepte führen uns durch den Tag – so gibt es zum Beispiel ein Birchermüsli, aufgepeppt mit Kokosmilch und Vanille, oder einen Pancake, der so fluffig ist, dass er nicht umsonst „Soufflé-Pfannkuchen“ heißt.
Sehr gut gelungen sind auch die Rezepte für den „leichten Lunch“, hier dreht sich alles um sommerliches Obst, süße Tomaten und Tartines – Scheiben von Sauerteigbrot, die schick belegt werden, z.B. mit Zitronenpesto, Zucchini-Julienne und Burrata oder einer Erbsen-Mandel-Salsa mit viel Minze. Ein Glück, dass die am Balkon gerade nur so sprießt – genau das richtige für die heißen Tage.
Insgesamt ein wunderschönes Kochbuch mit einem entspannten, frischen und sonnigen Spirit, das den Sommer feiert.
Derzeitiger Küchen-Liebling!
Wie Martha Stewart in ihrem Vorwort schreibt, ist das vorliegende Buch ihr hundertstes. Für mich ist es das erste, obwohl mir Martha Stewart seit zig Jahren ein Begriff ist.
Bekannt wurde sie durch ihre vielfältigen Projekte in Bereichen wie Kochen, Lifestyle, Homedeko und Etikette. Oft wurde sie als „Amerikas beste Hausfrau“ bezeichnet.
Für ihr neues Buch „Martha. Das Kochbuch“ hat sie aus Tausenden Rezepten, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt hat – und Mrs Stewart ist bereits 84 Jahre alt, auch wenn das Foto auf dem Cover dieses nicht vermuten lässt, aber das ist jetzt wahrscheinlich gemein von mir und nicht korrekt –, 100 ausgewählt und äußerst stilvoll angerichtet und fotografieren lassen.
Diese Rezepte umfassen Gerichte für Frühstück und Brunch, Suppen und Salate, Cocktails und kleine Vorspeisen sowie Ideen für Dinner und Dessert.
Dazu gibt es zahlreiche Fotos aus Marthas Archiv, mit denen sie uns ihre Familiengeschichte und ihren Werdegang näherbringt.
Herausragend gut fand ich die Kartoffeln in Buttermilch, ein wirklich einfaches Gericht, das man entweder als „bescheidene Bauernmahlzeit“ oder aber als raffinierte Zusammenstellung bodenständiger, aber köstlicher Zutaten bezeichnen kann.
Auch wenn es die besten Zitronen bei uns ja bekanntlich ja erst im späten Herbst gibt, habe ich schon jetzt die Pasta Limone probiert – mit frisch geriebener Zitronenschale und trotz Parmesan ein erfrischendes Gericht.
Schnell gemacht sind auch die Shortbread-Taler, für die man zunächst braune Butter herstellen muss, durch deren nussigen Geschmack die krümelig-sandigen Kekse enorm gewinnen.
Reizen würde mich auch der Engelskuchen, aber da hierfür 14 (!) Eiweiß verwendet werden und Martha nicht verrät, was sie mit den Unmengen an übrigbleibenden Eigelb anstellt, warte ich hiermit vielleicht bis zur kälteren Jahreszeit und steige dann zeitgleich mit dem Kuchen in die Eierlikör-Produktion ein.
Mein Fazit: In diesem Buch wird ganz schön viel inszeniert, aber gleichzeitig auch gut gekocht. Von daher hat Marthas Buch für mich das Potential zum vielbenutzten Küchenklassiker!
Der Titel sagt es ja schon: Jet ist noch nicht ganz tot, aber fast. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November – das Datum könnte passender nicht sein – wird sie in ihrer eigenen Küche brutal überfallen. Der erste Schlag hat den Schädelbruch vermutlich verursacht, der zweite hat den Knochen tiefer in ihr Gehirn getrieben. Und jetzt ist da ein winziger Knochensplitter, der auf eine der Hauptarterien ihres Gehirns drückt und ein Aneurysma bilden wird. Das wiederum wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Woche platzen und… naja, das war’s dann. Da die Überlebenschance einer riskanten Operation bei nur zehn Prozent liegt, entscheidet sich Jet dagegen und beschließt, die letzte Woche ihres Lebens als Detektivin zu verbringen. Denn sie muss einfach wissen, wer ihr das angetan hat.
So weit, so gut. Ich schreibe ja immer am liebsten Empfehlungen für Bücher, bei denen alles toll ist und ich nichts Gröberes zu bemängeln habe.
Hier sieht die Sache schon ein bisschen anders aus.
Wenn es schon an ein Wunder grenzt, dass Jet sich trotz Schädeltrauma und sechsunddreißig Stunden Bewusstlosigkeit voll bewegen und klar denken kann, so ist es noch viel wundersamer, dass sie kurze Zeit später durch die Gegend rennt und sprintet, um ihren Mörder dingfest zu machen.
Hat ein Neurologe dieses Buch gegengelesen? Ist das medizinisch wirklich möglich? Jet muss so eine Art Wonderwoman sein.
Von diesem medizinischen Sonderfall einmal abgesehen, ist Holly Jacksons neuestes Werk aber sehr spannend, und Jets „Ablaufdatum“ gibt natürlich ein rasantes Tempo vor. Wie immer bei Jackson kann man wunderbar miträtseln und wird mit jedem Kapitel paranoider. Denn wie könnte es anders sein: Jeder in Jets engerem Umfeld macht sich mit der Zeit verdächtig, allen voran ihr eigener Bruder Luke, dessen Frau Sophia – einst Jets beste Freundin, aber jetzt eine unglaublich blöde Kuh – und sogar Jets eigene Mutter. Und was ist mit Billy, dem armen, süßen Billy, Jets Freund aus Kindertagen, der ihr bei ihren Ermittlungen treu zur Seite steht. Ist er wirklich so harmlos, wie man glauben soll?
Mit „Not Quite Dead Yet” will Holly Jackson offenbar im Erwachsenen-Genre Fuß fassen – ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das wirklich funktioniert. Auch hier ist ihre Handschrift unverkennbar: kleine Andeutungen, die später noch wichtig werden, falsche Fährten und clevere Wendungen. Wer „A Good Girl’s Guide to Murder“ mochte, findet hier viele vertraute Elemente, sprachliche Eigenheiten und eine halsstarrige Heldin wieder – nur ist Jet, im Gegensatz zu Pip, deutlich schwieriger ins Herz zu schließen.
Nachdem ich jetzt diverse Romane von Holly Jackson gelesen habe, kann ich für mich festhalten: Immer spannend, sehr intensiv, aber auch ganz schön haarsträubend. Was die Sprache betrifft, muss ich den Ball vermutlich flach halten, da ich das Buch nicht im Original gelesen habe. „Ein Knurren entrang sich ihrer Kehle“, „… verlangte sie zu wissen“ und die permanente Verwendung von „schnappte XY“ (statt „blaffen“, „anherrschen“, von mir aus sogar „bellen“) – das ist auf die Dauer schon etwas platt und wenig literarisch, aber vielleicht bin ich in der Hinsicht auch einfach zu pingelig.
Und irgendwie schreibt Jackson immer gleich, das mag für den Wiedererkennungseffekt ja nicht schlecht sein, aber ich glaube, man kann sich daran auch „sattlesen“.
Erster Detektiv Justus Jonas
Zweiter Detektiv Peter Shaw
Recherche und Archiv Bob Andrews
Der echte Fan hat die Visitenkarte der drei Fragezeichen vermutlich genau vor Augen.
Aber damit ist es in Andreas Eschbachs Roman „Die Auferstehung“ vorbei.
Die drei Fragezeichen, die mich schon fast mein ganzes Leben lang begleiten, deren Leben eine einzige Abfolge endloser Sommerferien und ewiger Abenteuer war – diese drei Jungs, die im Gegensatz zu mir nie gealtert sind, sind in ihrer Zukunft angekommen. In Eschbachs Roman sind sie alle etwa Mitte fünfzig und hadern durchaus mit dem Verlust ihrer Jugend und den damit einhergehenden Wehwehchen.
Bob arbeitet als Literaturagent in Los Angeles und ist seit fast dreißig Jahren verheiratet sowie Vater zweier erwachsener Kinder. Peter war einige Jahre als Reisejournalist in der ganzen Welt unterwegs und arbeitet nun in San Francisco bei Google. Und Justus? Das schlaueste Fragezeichen, der ewige Besserwisser, hat drei abgebrochene Studiengänge hinter sich und ist irgendwie in Rocky Beach hängengeblieben, wo er seit Onkel Titus‘ Tod das Gebrauchtwaren-Center Jonas alleine führt und als Umweltaktivist von sich reden macht.
Dass es die drei Fragezeichen als solche nicht mehr gibt, ist natürlich befremdlich, aber so richtig in Alarmbereitschaft war ich, als relativ bald klar wurde: Bob hält zwar sowohl zu Justus wie auch zu Peter losen (SEHR losen!) Kontakt, aber Justus und Peter haben seit dreißig Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt. Was ist nur geschehen???
Eschbach hat mit „Die Auferstehung“ einen Roman geschrieben, der als Krimi ganz im Sinne der alten Drei-Fragezeichen-Bücher hervorragend funktioniert und vor allem das Herz eines jeden Fans höherschlagen lässt.
Hier ist einfach alles drin, was den Charme dieser Reihe ausmacht. Justus drückt sich immer noch so wortgewandt und geschwollen aus wie als altkluger Teenager, Bob fährt zwar keinen klapprigen gelben VW-Käfer mehr, aber natürlich einen Beetle in derselben Farbe, und Peter ist immer noch erstaunlich fingerfertig, wenn es um den Einsatz seiner Dietriche geht. Tante Mathilda und ihr Kirschkuchen sind dabei; es gibt jede Menge Anspielungen bzw. Erwähnungen in Bezug auf alte Fälle und sogar der Lieblingsfeind der drei Detektive, der schreckliche Skinny Norris, hat einen Auftritt! Das, was früher die Telefonlawine war, ist jetzt eine E-Mail-Lawine.
Bei all dem merkt man deutlich, dass dem Autor seine Figuren wie auch deren Fans echt am Herzen liegen.
Und was wären die drei Fragezeichen ohne einen Fall? Der kommt natürlich auch nicht zu kurz, und es ist dieser Fall, mit dem Justus, Bob und Peter aus ganz unterschiedlichen Gründen zu tun haben, und der sie zwingt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn die drei Fragezeichen wären nicht die drei Fragezeichen, wenn sie nicht schon bald erkennen würden, dass Reste ihrer einstigen Freundschaft doch noch irgendwo existieren und dass sie – wie früher als Jungs – einander brauchen und nur als echtes Team funktionieren können.
„Solange man jung war, glaubte man, eine Ewigkeit liege vor einem, in der man alle Möglichkeiten hatte. Tja, aber so war es nicht. So ein Leben war schneller vorbei, als man es sich vorstellen konnte.“
Eschbachs Roman ist sowohl eine Zeitreise in die Zukunft der drei Fragezeichen wie sie sein könnte, wie auch eine nostalgische in ihre Vergangenheit.
Der Titel ist wirklich clever gewählt, denn auch wenn „Die Auferstehung“ sich in erster Linie auf den Fall der tot geglaubten und nach sieben Jahren wieder aufgetauchten Tracy Hitfield bezieht, geht es natürlich vor allem um die Auferstehung der drei Detektive, die wieder zueinander finden, weil sie über ihren Schatten springen und sich versöhnen, denn bessere Freunde werden sie nie wieder finden.
Für mich ein grandioser und spannender Lesegenuss, der mir wirklich großen Spaß gemacht hat! Aber trotzdem glaube ich, dass es bei diesem einmaligen Blick in die Zukunft bleiben sollte. In allen weiteren Fällen können Justus, Bob und Peter nur das sein, was sie immer waren: ewig jung.
Von Kindesbeinen an ist Hunter White – allein dieser Name ist so unglaublich, dass es mich jedes Mal geschüttelt hat – ein passionierter Jäger. Was unter Anleitung seines Großvaters mit Wildschweinen, Hasen und Hirschen begann, findet nun schon seit Jahren seine unausgesetzte Fortsetzung bei der Großwildjagd in Afrika. Neben unzähligen Springböcken, Kudus, Impalas und Antilopen sowie einiger Giraffen und Nilpferde sind es natürlich die begehrtesten Tiere, die Big Five, auf die Hunter es im wahrsten Sinne des Wortes anlegt. Löwe, Leopard, Büffel und Elefant sind längst erledigt, fehlt nur noch Nummer fünf: das stark vom Aussterben bedrohte Spitzmaulnashorn.
Hunter ist es gelungen, bei Van Heeren, Berufsjäger und seit über zwanzig Jahren sein Freund, eine der begehrten Jagdlizenzen zu erwerben, und kann es nun kaum erwarten, sich dieser Herausforderung zu stellen.
„Sein ganzer Körper sehnt den Moment herbei, in dem er… Auge in Auge mit einem der gefährlichsten Tiere der Wildnis stehen wird, sich vollkommen darüber im Klaren, mit einer winzigen Bewegung seines Fingers das Leben des Kolosses beenden zu können… und in dem Wissen, dass all diese Kraft folglich seinem Willen unterworfen ist.“
Doch nicht nur Hunter ist auf der Jagd nach diesem Nashorn, sondern auch zwei Wilderer sind hinter ihm her.
Allein diese Doppelmoral ist schier unerträglich:
Hunters größte Angst, das Tier könnte in die Hände der Wilderer fallen, wird von seinem Fahrer mit den Worten kommentiert: „Tot ist tot. Für das Rhino ist es egal, wer den Abzug drückt.“ Diese „afrikanische Logik“ (!) ist der reinste Schwachsinn für Hunter, denn Wildern ist ein schreckliches Verbrechen, „der Gedanke, dass der Bodensatz der Gesellschaft sein Nashorn gleich mit einem Streifschuss umlegt, um ihm danach mit einem Beil zu Leibe zu rücken und die Hörner illegal zu verkaufen, treibt Hunter zur Weißglut. Er, er allein, hat das Recht, dieses Nashorn zu töten.“
Dieses Hoheitsdenken des weißen Mannes, diese Gedankengänge, dass sein Töten eine Art von Artenschutz darstellt und er als der weiße Mann ganz oben in der Nahrungskette steht, sind nur schwer zu ertragen, und es wird ja noch viel schlimmer.
Nach der Pleite mit dem Nashorn – denn die Wilderer kommen ihm tatsächlich zuvor – bleibt nur noch eine Sache, um Hunters Laune wieder zu heben: Die Jagd auf das Objekt, das die sogenannten „Big Six“ vollmachen kann – für 500.000 Dollar wird ihm die Jagd auf einen Menschen, den jungen Buschmann !Nquate, ermöglicht.
Leises Zögern und leichte Skrupel sind schnell dahin, denn ein balsamierter Körper wäre ein einzigartiges Sammlerobjekt.
Gaea Schoeters Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt; es ist ein Buch, das ich für keine Sekunde aus der Hand legen wollte und konnte. Auch wer selbst noch nie in Afrika war, taucht dank ihrer eindrucksvollen Beschreibungen sofort in diese Landschaft mitsamt ihrer Farben und Gerüche ein.
Die Vorstellung von Afrika als einem wilden und unberührten Kontinent und Hunters von Nostalgie getriebener Wunsch, so wie die Jäger der Kolonialzeit unter freiem Himmel zu nächtigen, die Sehnsucht nach einem freien Leben sind ein Traumbild – dadurch pervertiert, dass an seiner Jagd nichts authentisch ist.
Hunters Abenteuer ist eine Illusion, für ihn ist Afrika ein einziges großes Naturreservat, von Gott geschaffen, um ihm eine Freude zu machen. Sein Vergnügungspark, seine Spielwiese, perfekt inszeniert von Berufsjägern wie Van Heeren, die alles tun, um den afrikanischen Traum ihrer Kunden zu erfüllen.
Die in „Trophäe“ erzählte Geschichte lässt einen atem- und sprachlos zurück – so spannend und skurril, so hart und so dermaßen moralisch fragwürdig ist sie.
Wenn Sie diesen gleichermaßen beeindruckenden wie bedrückenden Roman noch nicht gelesen haben, möchte ich Ihnen ans Herz legen, das dringend nachzuholen.