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Maxie ist Buchhändlerin in unserer Tyrolia-Filiale in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck. Ihre Spezialität sind Kochbücher - aber in ihrer Freizeit verschlingt sie alle möglichen Bücher, von Romanen bis zu den spannendsten Thrillern.
Die Fletchers haben es mir nicht ganz leicht gemacht, mich mit ihnen anzufreunden.
Sie sind nicht einfach nur reich, sondern extrem reich, absurd reich, entführungswürdig reich. So geschieht es, dass Carl Fletcher, Vater zweier Söhne und einer zu dem Zeitpunkt noch ungeborenen Tochter, entführt und tagelang gefangen gehalten wird; eine Woche lang leben seine Frau Ruth und seine Mutter Phyllis in der Ungewissheit, ob sie ihn jemals lebend wiedersehen werden, zumal auch die Übergabe von 250.000 Dollar Lösegeld absolut katastrophal verläuft.
Der Einstieg in die Story ist bei aller Dramatik äußerst grotesk, auch weil man in der Nachbarschaft zuerst munkelt, Carl sei abgehauen, um ein neues Leben anzufangen, weit weg von dem riesigen Anwesen in Middle Rock, wo er nicht unter der Fuchtel seiner schrecklichen Mutter und seiner pingeligen Ehefrau stehen würde. Und dann die hässlichen Gedanken der Nachbarn, die sich nicht etwa fragen: Wo steckt Carl? Sind auch wir in Gefahr? „Sondern: Warum nicht wir? Warum sind WIR nicht reich genug, um entführt zu werden?“
Der Schock über diese Entführung sitzt bei allen Familienmitgliedern tief und prägt ihr ganzes weiteres Leben – es gibt einen Zeitsprung, im weiteren Verlauf der Geschichte erfahren wir, wie es allen Fletchers vierzig Jahre später so geht.
Ich muss ganz ehrlich sagen, der Teil, in dem es um Beamer geht, das mittlere Kind, das damals erst vier Jahre war, hat mich irgendwie überfordert. Seine Drogen- und Sexexzesse waren mir teilweise echt zu heftig und haben es mir schwer gemacht, ihn zu mögen, aber je mehr man über ihn und sein Trauma erfährt, desto eher kann man ihn doch ein kleines bisschen ins Herz schließen.
Insgesamt sind die Fletchers keine wirklich sympathische Familie, aber wahrscheinlich liegt es genau daran, dass ihre Geschichte so lesenswert ist. Sie alle sind so privilegiert wie neurotisch, ihr Leben wird beherrscht von Carls Schweigen, Phyllis‘ Perfektionismus und Ruths ständig unter der Oberfläche brodelndem Zorn.
Das Familien-Mantra – einst von Phyllis gebetsmühlenartig Carl gegenüber wiederholt: „Es ist nur deinem Körper passiert, nicht dir.“ – gilt seit Jahrzehnten für alle, doch dann geschieht etwas, dass alle alten Wunden aufbrechen und die Fletchers darüber nachdenken lässt, ab wann eigentlich alles so schrecklich schief gegangen ist.
Taffy Brodesser-Akner erzählt diese Geschichte mit einem Sprachwitz, der gleichzeitig schneidend scharf und liebevoll ist. Ihre Figuren machen mehr falsch als richtig, bis sie am Schluss die Erkenntnis trifft, „… dass wir den Gezeitentümpel, in den wir hineingeboren werden, nur bewältigen können, wenn uns jemand das Schwimmen beibringt. Oder einfacher ausgedrückt, um ein normaler Mensch zu werden, muss man wenigstens normale Menschen sehen.“
Genau das ist das Problem – normal ist bei den Fletchers wirklich niemand, und genau deswegen sind sie mir doch alle ans Herz gewachsen.
Ein Familienroman mit Tempo und Tiefgang und jeder Menge Ironie – lesenswert!
Was gibt es an heißen Tagen besseres als ein Eis?!
Ja, ich weiß, das Brickerl ist zurück – aber wer darauf keine Lust hat und auch dem langen Schlangestehen an der Eisdiele nicht so viel abgewinnen kann – der kann leicht in die Eigenproduktion einsteigen.
Dazu braucht es nur das Buch „Paletas“ aus dem Christian Verlag, der wie kaum ein anderer für wunderschöne Kochbücher steht und bekanntermaßen zu meinen Lieblingsverlagen zählt.
Ich muss gestehen, dass mir der spanische Begriff für Eis am Stiel tatsächlich bislang kein Begriff war, aber in kleineren Manufakturen hergestelltes, wunderhübsch anzuschauendes Stiel-Eis natürlich schon. Ein solches wird ja sogar in unmittelbarer Nähe von Innsbruck produziert und ist mit Glück in so manchem Supermarkt zu finden.
Aber wie gesagt: Jetzt ist selber machen angesagt!
Schon das Buch-Cover finde ich einfach wunderbar, und beim Durchblättern fällt die Wahl schwer, welches dieser kleinen, feinen Kunstwerke man als erstes selber machen möchte.
Momentan bieten sich natürlich eher die fruchtigen Varianten an, die gerade jetzt schön erfrischend sind, aber auch die etwas üppigeren Paletas mit Schokolade, Kaffee oder Karamell sind nicht zu verachten.
Auch Veganer kommen hier nicht zu kurz – auch diese Kreationen sind schön farbenfroh und teilweise aufwendig verziert.
Hier isst wirklich auch das Auge mit!
Also schnell eine Ladung Eisstiele aus Holz und Eisformen anschaffen – für den Anfang reichen ganz simple, die jedes Haushaltswarengeschäft verkauft.
Wenn man der Autorin glauben darf, wird man aber bald zu den professionelleren stehenden Formen aus Hartkunststoff und Metall greifen.
Könnte durchaus sein, dass ich meinen Buchtipp in Hinblick darauf in einigen Wochen noch überarbeiten bzw. ergänzen muss.
Meine kommenden Paleta-Versuche werden es zeigen…
Wie sagt das Sprichwort?
„Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler“.
Egal, ob das stimmt oder nicht – helfen könnte bei einem kaiserlichen Frühstück das Buch „Easy Morning“ von Christina Schierlinger-Brandmayr. Erschienen im Löwenzahn Verlag, und daher – so wie wir es von diesem Verlag gewöhnt sind – in wunderschöner Ausstattung.
In ihrem Vorwort betont die Autorin, dass es ihr wichtig war, keine trendigen, sondern ganz normale Rezepte vorzustellen, für die man weder komplizierte Zutaten benötigt, die man nur in Spezialgeschäften bekommt noch stundenlang in der Küche herumwerkeln muss.
Mein Lieblingsteil beschäftigt sich eindeutig mit den Basics: Hier finden sich Rezepte für verschiedene Arten von Granola, die sich wunderbar mit dem ein oder anderen selbstgemachten Früchtekompott kombinieren lassen. Momentan bieten sich hierfür natürlich Rhabarber oder Erdbeeren (möglicherweise sogar zusammen!) an. Etwas Joghurt oder Topfen dazu und der Tag fängt gut an!
Sehr umfangreich ist das Kapitel, das sich den Getränken widmet. Hier finden sich jede Menge (kalte) Tees, aber auch Sirup und Säfte – und die sind so gut, dass man sie an den heißen Tagen des Sommers sogar, ganz entgegen dem Titel, den ganzen Tag trinken kann und möchte.
Gleiches gilt für die meisten Sorten von Gebäck, die im Buch zu finden sind. Nicht nur die fluffigen Joghurt-Fladenbrote lassen sich natürlich auch am Abend zu einem Salat verzehren.
Für mich bzw. von mir bekommt dieses Buch nicht nur 5 Sterne, sondern auch den Zweit-Titel „Easy Day“.
Absolute Empfehlung von mir, nicht nur für die Vormittagsstunden!
Der erste Roman der spanischen Regisseurin Maria Larrea ist mit 200 Seiten eher schmal, aber die Geschichte, die sie erzählt, ist umso gewaltiger.
Es ist ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern Victoria und Julián, die im Jahr 1947 in Bilbao ihren Anfang nimmt.
Victoria, damals noch namenlos, wird gleich nach der Geburt von einer Nachbarin den Nonnen des Klosters Santa Catalina übergeben; ihre Mutter will sie nicht, denn sie hat um einen Sohn gebeten. Die Ordensschwestern beschließen, dem Säugling ein anderes Schicksal zu schenken und geben ihm den Namen Victoria. „Ein erster Sieg über die Hölle.“
Juliáns Schicksal ist ein ähnliches. Er ist der Sohn der Prostituierten Josefa und auch er verbringt seine Kindheit im Waisenhaus.
Als diese beiden Unglückskinder einander begegnen, ist es die große Liebe – eine Liebe, die allerdings nicht anhalten wird, Julián wird zum anhaltenden Trinker; Victoria und später auch Maria werden nie wissen, was der Abend bringt: „Entweder war er nicht allzu betrunken und guter Dinge… oder er war sturzbetrunken, dann folgten Beschimpfungen, manchmal Schläge, und immer das Schweigen meiner Mutter.“
Aber das ist die Zukunft; zunächst setzen Victoria und Julián alles daran, ein Kind zu bekommen; ein Kind, dem sie eine glücklichere Kindheit als ihre eigene bieten wollen.
Am 2. November 1979 wird endlich, endlich, endlich ihre Tochter Maria geboren. Als sie fünfundzwanzig ist, wird Maria selber Mutter; sie hält ein blondes Kind mit blauen Augen und einem rätselhaften Grübchen am Kinn in den Armen. Sie und ihr Mann Robin suchen vergeblich nach Familienähnlichkeiten und wer Adam welche Züge vererbt hat.
Aber erst einige Jahre später – und es klingt so, dass man es kaum glauben kann – lässt sich Maria die Karten legen, immer und immer wieder, und immer in der Hoffnung auf Antworten. Antworten darauf, ob sie, die angehende Regisseurin erfolgreich sein wird, und mit der Frage, warum immer sie selbst in ihren Filmen vorkommt.
Die Antwort der Tarologin Ève: „Du spielst in deinen Filmen mit, weil du nach Anerkennung suchst. Du suchst nicht nach der richtigen Art von Anerkennung. Weißt du, ob deine Mutter noch eine andere Geschichte hatte? Einen anderen Mann? Dein Vater ist wahrscheinlich nicht dein Vater.“
Diese Offenbarung lässt Maria fassungslos zurück, aber auch mit einem Gefühl der Erleichterung. Wird sich dieses ihr ganzes Leben andauernde Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein, mit dem Auftreten dieses Unbekannten endlich erklären lassen?
Die Antwort ihrer Mutter auf die Frage, wessen Tochter sie ist, ist wie eine Ohrfeige: „Die Tochter von niemandem.“
Fassungslos und entsetzt lässt einen dann der zweite Teil des Romans zurück – die Geburtsurkunde die Maria nach langem Ringen mit den Behörden endlich erhält, entpuppt sich als Fälschung, und was sie dann nach einer Suche, die – verständlicherweise – an Besessenheit grenzt, aufdeckt, ist einfach ungeheuerlich.
Spätestens jetzt, an diesen ersten superheißen Tagen dieses frühen Sommers, sollte man das neue Kochbuch von Katharina Seiser zur Hand nehmen.
In „Gut bei Hitze“ versammelt sie um die siebzig Rezepte, allesamt leicht – und das gilt sowohl für die Zubereitung wie auch für die Art, wie sie uns bei 30° und mehr im Magen liegen – und unkompliziert.
Im umfangreichsten Kapitel dreht sich alles um Kaltes und hier in erster Linie um Gemüse, das Seiser aber auch gerne mal mit etwas Fruchtigem kombiniert.
Bereits probiert haben wir die Gazpacho aus Tomaten, Gurken und Wassermelone; die Paprika musste wegen Unverträglichkeit leider draußen bleiben – und wenn der Sommer und damit auch der Reifegrad voranschreitet, lässt sich auch Zuckermelone verwenden.
Dauerbrenner ist bei uns schon jetzt die „heiße Ziege“ – Baguettescheiben mit Ziegenkäse aus der Rolle (wirklich in jedem Supermarkt zu finden) überbacken, von uns mitunter noch mit etwas Honig und gerösteten Pinienkernen verfeinert, und dazu ein großer Salat mit allem. Das geht echt immer!
Ab dem Moment, wo es Ribisel alias Johannisbeeren, in diesem Fall weiße, auf dem Markt zu kaufen gibt, werde ich die kalte Gurkensuppe ausprobieren, die ihren besonderen Pfiff durch eben diese Beeren bekommen soll. Walnüsse werden etwas Biss verleihen, und der Gedanke an den gut salzigen, säuerlich-erfrischenden Geschmack dieser kalten Suppe lässt einem doch schon jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Sehr gelungen finde ich auch das Kapitel mit den kalten Getränken, hier vor allem die Rezepte für Kräutersirup mit Zitronenverbene oder Lavendel. Da ich es aber doch zu schade finde, den Lavendel auf meinem Balkon all seiner Blüten zu berauben – für den Sirup braucht man 50 bis 60 Blüten –, ist die Frage, ob ich diesen Sirup je produzieren werde.
Leichter ist da dann doch der Himbeerkefir mit etwas Ahornsirup und Kardamom zubereitet, zur Zeit natürlich noch mit Tiefkühlhimbeeren, was aber gar nicht schlecht ist, denn dadurch ist dieses erfrischende Getränk wirklich eiskalt und wunderbar cremig.
Mein Fazit: „Gut bei Hitze“ ist ein richtig tolles Kochbuch, mit dem man gut durch den Sommer kommt.
Wie immer beim Brandstätter Verlag ist es wunderschön gestaltet – keinesfalls darf man die dunkelblauen Vorsatzblätter übersehen oder überblättern, denn da finden sich die besten Tipps für heiße Sommertage: „Trinken!“ bzw. „Schwimmen!“
Ersteres ist das wichtigste, das zweite das Schönste!
„Unter welcher Last bricht bedingungslose Liebe?“
In dem Sommer, in dem Alma Théo kennengelernt hat, war gerade ihr Großvater gestorben und sie hatte sich die Haare rosa gefärbt. Auch das vielleicht ein kleiner Akt der Rebellion – ihr schönes blondes Haar! – gegen ihre so auf Perfektion bedachten Eltern. Ihren Vater erlebt Alma nur ungeduldig, die Mutter immer kühl. Liebe ist für Alma immer an Bedingungen geknüpft, sie muss sie verdienen, härter arbeiten als alle anderen, schlauer sein, besser sein,
Doch dann trifft sie Théo, den jungen Steinmetz, und etwas löst sich in Alma. „Seit sie Théo kennengelernt hatte, fühlte sie sich entknotet von ihrer Wut… Alles, was sie sonst verletzt hätte, wog weniger schwer. Mit Théo im Hinterkopf ließ sich vieles leiser drehen.“
Jetzt ist wieder Sommer, vier Jahre Beziehung liegen hinter den beiden, es waren vier glückliche Jahre.
Und jetzt? Was ist übrig geblieben von dieser Liebe?
Im Sommerhaus in Frankreich, wo alles begonnen hat, treffen sich die beiden wieder. Drei Monate haben sie sich nicht gesehen. Alma hat in Paris studiert, Théo ist zunächst allein in der Wohnung in München geblieben und dann nach Berlin gegangen.
In Rückblenden lassen die beiden die gemeinsame Zeit Revue passieren, um sich darüber klar zu werden, ob ein gemeinsames Leben weiterhin möglich ist. Sind sie mit Mitte zwanzig zu jung, um sich dauerhaft aneinander zu binden? Wollen sie wirklich das gleiche vom Leben?
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass es vor allem Alma ist, die zweifelt.
Die Zerrissenheit dieser jungen Frau, die so viel Zeit ihrer Zwanziger mit diesem einen Partner verbracht hat, die so jung war, als sie sich kennengelernt haben, die sich immer wieder fragt, wieviel von seinen Werten und Meinungen sie übernommen hat, und ob man die perfekte Person für sich gefunden hat und trotzdem nicht die Kapazität hat, sich auf sie einzulassen, und die Angst, irgendetwas zu verpassen – und dazu die kluge Antwort von Almas Cousine Inès: „Es ist auch keine Schwäche, sich FÜR jemanden zu entscheiden.“ – diese Passage war für mich eine der eindrücklichsten, der stärksten.
Man wünscht den beiden, Alma und Théo, dass sie es schaffen, und Eva Pramschüfer nährt diese Hoffnung mit so vielen traurig-schönen Sätzen:
„So könnte es bleiben… Ein milder Spätsommer, der langsam in den Herbst kippte. Sich nach vorn bewegen, strampeln und vorankommen, und sie beide zusammen, endlich, an einem Ort, kein Zentimeter mehr zwischen ihnen.“
„Théo fühlte sich, mit ihrer Hand in seiner, als wäre alles möglich, als könne der Boden aufbrechen und der Himmel zwischen dem Asphalt hervorscheinen, als könnte der Mond neben der Sonne im Himmel stehen.“
„Mit Alma zu sein, ihre Hand zu halten, fühlt sich wie der Moment an, wenn man im starken Regen unter einer Brücke hindurchfährt. Dieser Moment des Friedens.“
„Weißer Sommer“ ist ein ganz wunderbarer Roman, und ich finde, man sollte ihn unbedingt jetzt lesen, an diesen knallheißen Tagen. Die flirrende Hitze Südfrankreichs, die bittersüß-melancholische Stimmung und demgegenüber die kühle Distanz und die zunehmende Sprachlosigkeit, mit der sich ihre beiden Protagonisten herumschlagen müssen – das alles beschreibt Eva Pramschüfer sehr bildhaft und oft in einer fast schon poetischen Sprache.
Wir nehmen an einem Gerichtsprozess teil, der gegen eine Frau mittleren Alters, nennen wir sie A., geführt wird. A. selber kommt nicht zu Wort; was wir so nach und nach über sie wissen, erfahren wir nur aus dem, was andere uns erzählen.
Als junge Frau aus der Provinz versucht A. in Zürich als Bankerin Fuß zu fassen; dort verdient sie gut und was dort begann, hat zumindest am Anfang noch wie der Beginn einer Karriere gewirkt. Was jedoch folgt, ist eine Reihe falscher Entscheidungen, und nach ein paar Jahren kündigt A., um das Spiel künftig nach ihren eigenen Regeln zu spielen.
„Die Spielerin“ ist die hochspannende Geschichte einer Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt, in der Welt der Hochfinanz, immer um ein Vielfaches mehr anstrengen muss als die männlichen Kollegen und die sich den Arsch aufreißt, um Erfolg zu haben, um wahrgenommen zu werden, aber doch immer übersehen wird – bis sie begreift, dass sie genau diese Unscheinbarkeit für sich nutzen kann, dass sie sich immer neu erfinden kann und dass jeder Anfang ein Davonkommen sein kann.
„Heute heißt es, dass sie ihr Leben zum Schein geführt hat. Im Schutz einer Fassade, die ihr Unsichtbarkeit gewährte…“, denn wenn A. eines im Investmentgeschäft gelernt hat, dann das: Wie man Scheinwelten erschafft und den Ursprung des Geldes vergessen macht, den sie ihren Kunden als Rendite verspricht.
A. ist eine (Anti-)Heldin, die es einem nicht leicht macht, sie sympathisch zu finden, aber der spröden Faszination, die von ihr ausgeht, kann man sich auch nicht entziehen. Wenn man dann zum Schluss erfährt, dass diese unscheinbare und so naiv wirkende Frau jahrelang mit der Mafia kooperiert hat und dort kein kleines Rädchen im Getriebe, sondern eine ganz große Nummer war, dann erscheint einem das völlig logisch.
„Denn seien wir mal ehrlich: Hätte A. vorgehabt, sich an Ideale zu klammern, dann wäre sie besser mal Erzieherin oder auch Hebamme geworden, anstatt den Wert eines Menschen an der Anzahl der Nullen zu bemessen, der nach Geschäftsschluss auf seinem Konto stehen würde.“
Vor hunderten von Jahren ist die ewige Dunkelheit über das Land Irpa gefallen. Als eines Tages der Großvater der kleinen Bea verschwindet, ist es an ihr, das Glas mit dem letzten Licht der Sonne zu beschützen.
Zusammen mit dem knuffigen Cad (meine Lieblingsfigur!) begibt sie sich auf eine gefährliche Reise, denn allerlei finstere Gestalten sind hinter der kostbaren Flamme her.
Ein aufregendes Abenteuer in Form eines Comics, das zeigt, wie wichtig wahre Freundschaft ist.
Spannend und ein bisschen düster, aber auch ein großer Spaß! Es lohnt sich, nicht nur schnell über die Sprechblasen zu lesen, sondern auch jedes einzelne Panel genauer in Augenschein zu nehmen.
Ich muss gestehen, dass mir die Zeichnungen, die von vielen Lesern so gelobt werden, mitunter etwas zu krachig waren, aber mit folgendem Sinnspruch fürs Leben hat mich der Autor schon für sich gewonnen.
„Prügeleien, Pöbeleien oder hitziges Hickhack werden in diesem Etablissement nicht geduldet.“
Da fühlt man sich doch gleich an die großartige Dr. Erika Fuchs erinnert, deren Übersetzungen der Entenhausen-Comics von Carl Barks einfach legendär sind.
„Ein unverheiratetes Mädchen war wie ein ruderloses Schiff oder ein Topf ohne Deckel, doch eine unfruchtbare Frau war schlimmer.“
Gut zehn Jahre Wartezeit sind vergangen, bis Eve Harris die Leserin endlich wissen lässt, wie es mit Chani und Baruch weitergeht.
In der Fortsetzung „Die Hoffnung der Chani Kaufman“ liegt die Hochzeit ein knappes Jahr zurück. Das junge Paar lebt nicht mehr in der kleinen ultraorthodoxen Gemeinde in London, sondern in Jerusalem, wo Baruch eine Tora-Schule besucht und in einer kleinen Gruppe verheirateter Männer seine Tage damit verbringt, sich in den Talmud zu vertiefen, um später Rabbi zu werden.
Chani führt das ihr zugedachte Leben als Hausfrau. Zu ihrem Glück bzw. zu ihrer Bestimmung – „gehet hin und mehret euch“ – fehlt nur noch ein Baby.
Doch irgendetwas ist schiefgegangen, „bei ihnen war das Mysterium des Lebens ins Straucheln geraten.“
Ist es sein Fehler oder ihrer? Wessen Körper ist wohl schuld? Tief im Inneren weiß Chani, dass es ihrer sein muss, irgendwann muss sie so abscheulich gesündigt haben, dass HaSchem sie unfruchtbar gemacht hat, womöglich wegen eines spirituellen Fehlers, der ihr irgendwann unterlaufen ist.
Chanis Angst, dass Baruch sie deswegen verstoßen und sich eine neue Frau suchen könnte, ist so groß, dass sie schließlich der Rückkehr nach London zustimmt, um dort Hilfe in einer Kinderwunsch-Klinik zu suchen.
Chanis Versagen ruft natürlich augenblicklich Baruchs Mutter, die fürchterliche Mrs Levy, auf den Plan, die eine neue Chance wittert, die ungeliebte Schwiegertochter doch noch loszuwerden. So hat sie keinerlei Skrupel, erneut die Heiratsvermittlerin aufzusuchen, damit die schon mal nach einem passenderen, gebärfreudigeren Mädchen für Baruch sucht. Denn an ihrem Goldjungen kann es ja unmöglich liegen, dass sich der ersehnte Nachwuchs nicht einstellt...
Chani ist aber nicht die einzige mit großen Problemen.
Auch Rivka, die Frau von Rabbi Zilberman, steckt in einem Konflikt. Sie hat es geschafft, sie hat die Gemeinde verlassen und lebt jetzt in der „modernen, echten Welt" mit erheblichen Kosequenzen. Ihr eröffnen sich massive Wissenslücken über das andere Leben; ihr scheint, sie hängt mindestens zehn Jahre hinter allen anderen her. Bis auf ihren ältesten Sohn weigern sich ihre Kinder, oder es ist ihnen verboten, mit ihr zu sprechen.
Rivka steckt zwischen zwei Welten fest, und dieser Konflikt zwischen einem einsamen Leben „außerhalb dieser Hölle“ und dem, was sie zurückgelassen hat, zerreißt sie schier.
Eve Harris ist eine Meisterin der pointierten Dialoge und der Ironie, sie schreibt eindrücklich und mit Biss über das uns so fremde Leben in einer streng orthodoxen Gemeinde. Unter Kopfschütteln und mit Verwunderung und Erstaunen liest man über die Rolle der Frauen, die von ihren Ehemännern beherrscht werden, die wiederum von der Kehilla (der Gemeinde) und den anderen Rabbis beherrscht werden, deren Glaube auf Gesetzen beruht, die Männer sich vor Tausenden von Jahren ausgedacht haben.
Schlussendlich sind die Frauen nur Gebärmaschinen und haben ansonsten die Klappe zu halten.
Und falls sich jemand die Frage stellt, ob sich „Die Hoffnung…“ unabhängig von „Der Hochzeit…“ lesen lässt:
Ich finde, nein!
Bei Chanis Geschichte ist es möglich, aber bei dem Teil, in dem es um Rivka Zilberman geht, fehlt einem ohne die Vorgeschichte auch zu viel Vorwissen, um zu verstehen, wieso sie der erdrückenden Enge aus strikten Regeln und hohen Erwartungen entkommen wollte.
„Eigentlich ist es simpel. Entweder man taucht ein in seine Welt oder man lässt es bleiben.“
Eines der besten, der schönsten, der berührendsten Bücher, das ich je gelesen habe, ist zweifelsohne der Debütroman von Petra Pellini. Ich weiß gar nicht, wohin mit meiner Begeisterung!
Zweiundvierzig Jahre war Hubert Bademeister im Bregenzer Strandbad, und nie ist ihm ein Kind ertrunken. Doch jetzt ist Hubert sechsundachtzig, und gäbe es eine Leistungsbeurteilung für Demente, wäre er Klassenbester.
Hubert sitzt in seiner Wohnung praktisch fest; er ist „der Bademeister ohne Himmel.“
Linda ist fünfzehn, und dank der Nachmittage, die sie bei Hubert verbringt, ist ihre Woche gut strukturiert. Gegenüber ihren Klassenkameraden ist Linda da klar im Vorteil, sie braucht sich nicht zu überlegen, was sie mit ihrer Zeit anfängt.
Zu Anfang hatte Linda keine Ahnung, worauf sie sich einlässt, als Huberts Tochter – genannt „der Nachtfalter“, weil sie so zerbrechlich und so flatterig ist – sie an den Briefkästen unten im Haus abgepasst hat: Ohne Betreuung sei ihr Vater aufgeschmissen, und so kommt Linda jetzt also mindestens dreimal die Woche, um die polnische Pflegerin Eva (ein Goldstück, eine ganz starke und wunderbare Figur in dieser Geschichte!) ein bisschen zu entlasten.
Inzwischen weiß Linda, wie die Sache läuft und findet kreative Lösungen, wenn es mit Hubert mal nicht so gut läuft.
„Ist Hubert mit nichts aufzumuntern, ziehe ich drei Brockhaus-Bände aus dem Regal, staple sie übereinander, steige hinauf, hole tief Luft, halte mir die Nase zu und springe vom Beckenrand.“
Oder sie holt für ihn die Schachtel mit den Schwimmflügeln aus dem Keller, Original BEMA, orangefarben, in unterschiedlichen Größen.
„Dann knöpft Hubert seine Strickjacke auf in einer Geschwindigkeit, als wäre es ein Klacks für ihn…, und reibt die Handflächen aneinander. ‚Wie viele?‘ – ‚Elf. Sieben Mädchen, vier Buben.‘ – ‚Alter?‘ – ‚Zwischen vier und sechs.‘ – ‚Unter 30 kg?‘ – ‚Alle unter 30 kg.‘ Hubert nickt: ‚Größe 0 für alle.‘ ‚Soll ich helfen?‘, frage ich. Entrüstet schaut er mich an.“
Diese kleine Szene gleich zu Beginn des Romans ist nur eine von vielen, die so zu Herzen gehen und so berührend sind. Die Freundschaft zwischen diesen beiden so ungleichen Menschen ist einfach wunderbar – auch wenn sie, je mehr Zeit vergeht, immer einseitiger wird, weil „die Löschtaste in seinem Kopf immer mehr die Oberhand gewinnt.“
Am liebsten würde ich hier immer weiter und weiter schwelgen und die vielen wunderschönen Sätze und Dialoge anführen, die ich mir alle angestrichen habe – aber wissen Sie was? Entdecken Sie die Schönheit dieser Geschichte doch am besten selber, indem sie möglichst bald dieses Juwel von einem Buch lesen.
„Der Bademeister ohne Himmel“ ist eine sensationell wunderbare Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Leben und über das Abschiednehmen.
Ich möchte diesen Roman auch dringend allen Personen, die das Fach Deutsch unterrichten, für ihre etwas älteren Schüler und Schülerinnen als Klassenlektüre ans Herz legen. Es lohnt sich wirklich!