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Florian stürzt sich als leidenschaftlicher Leser in die Lektüre aller Formen von Unterhaltungsliteratur - vom Historischen Roman über den Krimi bis hin zum Thriller. Er berät sie gerne in allen Fragen rund um aktuelle Neuerscheinungen, aber auch Klassiker des Unterhaltungsgenres.
Was passiert, wenn man vor dem Regal mit den Dosenpfirsichen plötzlich seinem älteren Selbst gegenübersteht? Genau das passiert unserem jungen Popom, den es förmlich elektrisiert, als er in einem deutlich älteren Kunden sich selbst zu entdecken glaubt. Wer ist dieser fremde und doch so vertraute Mensch? Fieberhaft macht er sich auf die Suche, und schließlich findet er ihn und nimmt Kontakt auf. Er ist so fixiert, alles über sein alter ego herauszufinden, dass er ganz vergisst, im hier und jetzt zu leben. Mit Hilfe einer Freundin schafft er es schließlich, sich zu lösen, doch am Ende macht er noch eine Entdeckung, die alle seine Gewissheiten ins Wanken bringt. Johanna Sebauer legt mit "Popom" einen famosen Roman über festgefahrene Beziehungen und Gewohnheiten vor, die nach und nach zerbröseln, wenn man einen Spiegel aus der Zukunft vorgehalten bekommt - eine Geschichte voller Witz und Tiefgang!
"Haus ich verkaufe dich" - so beginnt Eva Menasses neuester Roman. Das Haus steckt voller Erinnerungen, von der Erfüllung des Traums vom Eigenheim in Alleinruhelage im Grünen über eine gescheiterte Ehe, die Probleme mit der pubertierenden Tochter, eine postnatale Depression und eine weitere Beziehung, die in die Brüche ging - dieses Haus soll nun also verkauft werden. Dabei hat alles so schön begonnen. Ein ehemaliges Gasthaus am See in Vorpommern zum Schnäppchenpreis - die Gelegenheit nach der Wende zu einem Häuschen im Grünen zu kommen. Raus aus der Großstadt, rein in die Pampa. Doch wie so oft trügt auch hier der Schein: Das Haus entspricht nicht den westlichen Standards, die Renovierung ist mühsam wegen unterschiedlicher Normen, und die Bürokratie im neuen Staat ist überbordend. Der See kippt, die Bewohner der zu Wohnhäusern umgebauten Kleingartensiedlung, an deren Rand das Gasthaus steht, sind abweisend bis feindselig, nur ein ehemaliger DDR-Funktionär kümmert sich um die Neuankömmlinge, doch ist er gewohnt zu kommandieren. Die Fundamente des Hauses stammen von einem Casino aus der Nazizeit, in der Umgebung wurden in der DDR Mitglieder der RAF versteckt, und heute ist der Wald geeignetes Gelände für Neonazitreffen. All dies erfahren wir im Verlauf des Buches, das durchaus auch komische Facetten zu bieten hat, etwa die Szenen, die von den polnischen Bauarbeiter*innen dominiert werden. Auch die Erinnerungen an den jüdischen Vater der Ich-Erzählerin und dessen Freund Walter, der ein echter Strizzi ist, lassen einen immer wieder schmunzeln. Eva Menasse überlässt ihre Protagonistin dem Strom ihrer Erinnerungen und Gedanken, die mit großer Formulierungskunst in Form gegossen werden. So entsteht ein komprimiertes Panorama aus Geschichte, Politik und persönlichen Erinnerungen - absolute Leseempfehlung!
Leonora, Mitte siebzig, Putzfrau bei Dr. Bronstett, findet diesen eines Tages ermordet in seinem Haus auf. Reflexartig macht sie erst einmal gründlich sauber, bevor sie die Polizei ruft. Die realen Ermittlungen haben mit der von Fernsehkrimis geformten Fantasie Leonoras nicht viel zu tun, und so kann sie nach einer ersten Befragung bald nachhause. Erschöpft hängt sie ihren Erinnerungen an den Verstorbenen nach, der Geschäftsführer eines großen Berliner Kaufhauses war, für das wohl das KaDeWe Pate gestanden haben dürfte. Unterstützt wird sie in der ersten Schockphase vom Detektiv des Kaufhauses, der ein Liebhaber ihres verstorbenen Sohnes war, und ihr seither freundschaftlich verbunden ist. Von der unterkühlten Tochter des Toten wird sie mit den Bestattungsformalitäten betraut, die sie gewissenhaft in Angriff nimmt. Yael Inokai führt uns mit ihrer schnörkellos geschliffenen Prosa durch das eiskalte Berlin in die erkalteten Seelenräume ihrer Protagonist*innen und schafft auf wenigen Seiten eine atmosphärisch dichte Geschichte über einsame Menschen in Grenzsituationen - außergewöhnlich!
Die Leiche einer jungen Frau treibt im Wasser. Kahlrasiert, ausgemergelt, Würgemale, Fesselspuren - alles deutet darauf hin, dass sie gefangen gehalten wurde. Doch wer ist die Tote? Kommissar Björling tappt im Dunkeln, und so wird Hilfe aus der Hauptstadt zugezogen. Johanna und er machen sich auf Spurensuche, doch kommen sie zu keinem schnellen Ergebnis. In der Zwischenzeit verschwindet Björlings Tochter Malin spurlos, was den Kommissar in eine tiefe Krise stürzt, ist sie doch das einzige, was für ihn nach dem Krebstod seiner Frau noch zählt. Verzweifelt versuchen sie, das Mädchen zu finden, doch sie scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Da taucht die Leiche ihres Freundes auf... Carl-Johan Vallgrens Kriminalroman wurde in Schweden zum besten Krimi des Jahres 1994 gekürt, und der Suhrkamp Verlag hat nun diesen großartigen Scandi Noir auf deutsch verlegt. Vallgren tritt in große Fußstapfen, doch er füllt sie mühelos aus - düster, spannend, psychologisch tiefgehend, naturverbunden - Lesegenuss bis zur letzten Seite!
Nadim Suri liegt in einem Heidelberger Krankenhaus. Er weiß, dass er bald sterben wird, und so holt er den jungen Lyriker Said, der ebenfalls aus Syrien geflüchtet ist, an sein Krankenbett, um ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen. Es ist eine Geschichte in elf Kapiteln, die jeweils einer anderen Frau gewidmet sind. Alle haben ihn ein Stück des Wegs begleitet und geprägt. Voller Liebe und Respekt erinnert er sich an die schönen und weniger schönen Momente, die er mit ihnen erlebt hat, und auch wenn viele traurige und enttäuschende Episoden mit dabei sind, spricht er doch voller Dankbarkeit von ihnen. Rafik Schami erweist sich erneut als begnadeter Geschichtenerzähler, der es versteht, auch schwierigen Situationen mit Humor und Weisheit zu begegnen. Ein nicht nur optisch schönes Buch!
Sommer 1972 an der ligurischen Küste. Gigio ist zwölf, interessiert sich für Schach und jede Art von Sport. Mit seiner Familie verbringt er alljährlich die Sommermonate am Strand in der Nachbarschaft eines reichen Ehepaars, dessen 13-jährige Tochter Astel sein Leben auf den Kopf stellt. Astel möchte ihr Englisch verbessern, und da Gigios Mutter aus Irland stammt, wendet sie sich ihm zu. Gemeinsam entdecken und übersetzen sie die Songtexte von David Bowie, Cat Stevens und vielen anderen. Dabei kommen sie sich näher und Gigio entdeckt einefür ihn fremde Welt. Als die Olympischen Spiele in München beginnen, scheint sein Glück perfekt zu sein - Sport und erste Liebe - mehr geht nicht. Doch mit der grauenhaften Aktion der Terrororganisation "Schwarzer September" wendet sich auch sein Schicksal und das der gesamten Familie. Ein wunderbares Buch über das Heranwachsen und die erste Liebe, getaucht in flirrendes Sonnenlicht und garniert mit tollen Songs - ein Favorit für den Sommer!
Amelie Nothomb verbrachte ihre frühe Kindheit in Japan und kehrte später noch einmal zurück, um dort zu arbeiten. Nach einigen Jahren verließ sie allerdings das scheinbar vertraute Land und ließ sich in Paris nieder. Als sie von einer Freundin gebeten wird, sie auf ihrer Japan Reise zu begleiten, stimmt sie begeistert zu. Kaum dort angekommen, kehrt auch die komplexe Sprache wieder zurück, und die Sitten und Gebräuche gehen ihr wieder in Fleisch und Blut über. Gemeinsam besichtigen sie Tempel, Teeplantagen, Paläste und Gärten, genießen die erlesenen Speisen und Getränke und besuchen unter anderem auch Tokyo. Dort stellt sie fest, wie fremd ihr die Stadt nach wie vor ist und freut sich auf ihre Rückreise. Mit viel Witz und Esprit führt uns die belgische Autorin durch die Eigenheiten eines doch sehr fremden Landes - Lesegenuss für die Handtasche!
Lis ist Sterneköchin. Lis liegt in einer noblen Sterbeklinik in Davos. Sie hat noch fünf Tage zu leben. Beim letzten Dinner, das sie für die Milliardärsfamilie Harmann zubereitet hat, ist die gesamte Familie vergiftet worden. Da sie von den Gerichten gekostet hat, geht es auch mit ihr zu Ende. Für die Polizei ist sie die Hauptverdächtige, und so bleiben ihr fünf Tage, um den wahren Mörder zu finden und ihre Angelegenheiten zu regeln. Im Wettlauf gegen die Zeit hilft ihr eine Pflegerin, der sie alle Details über die Harmanns, deren Freunde und Bedienstete erzählt. Gemeinsam analysieren sie die vielfältigen Verflechtungen und die Rolle, die Lis in der komplexen Geschichte spielt. Bis zum finalen Paukenschlag tauchen wir ein in die Welt von Superreich und Schön und erfreuen uns an der bissig-nüchternen Perspektive der Köchin mit einer sehr speziellen Stellung - spannend, witzig, berührend - beste Unterhaltung garantiert!
Der diesjährige International Booker Prize ging zu gleichen Teilen an die Schriftstellerin Yang Shuang-Zi und die Übersetzerin Lin King. Ein würdigeres Buch hätte man auf der Shortlist nicht finden können, geht es doch in diesem Roman um eine japanische Schriftstellerin, die in den 1930er Jahren ins von Japan besetzte Taiwan reist, und ihre lokale Übersetzerin. Gemeinsam erkunden sie nicht nur Küche und Kultur der Insel, sondern auch die Art ihrer Beziehung. Besonderes Augenmerk liegt einerseits auf den Eigenheiten der Küche (die Schriftstellerin im Buch ist ein wissbegieriger Gourmet) und der Sprache Taiwans, andererseits auf der Überheblichkeit der Kolonialherren und ihrem Umgang mit den Bewohnern der Insel. Somit legt Yang Shuang-Zi eine kolonialkritische Geschichte im Gewand eines queeren Liebesromans vor - ein ungewöhnlicher Genuss!
Isländische Familiengeheimnisse sind die besten, und am allerbesten werden sie, wenn sie von Eva Björg Aegisdottir erzählt werden. Marsibil kehrt zum zehnten Jahrestag des Verschwindens ihrer Schwester Stina in ihr Heimatdorf zurück. Dort beschließt sie, sich noch einmal mit dem Fall genauer zu beschäftigen, und je weiter sie gräbt, desto erschreckender wird das Bild, das sich abzeichnet. Aber war es wirklich so, wie sie es sich zusammengereimt hat, oder sitzt sie nur einer falschen Fährte auf? Bis zum Knalleffekt am Schluss führt uns die Autorin geschickt an der Nase herum und sorgt für raffinierte Spannung - Psychothriller ist es allerdings trotz der Verlagsankündigung keiner, eher ein raffiniertes Noir Kammerspiel!