Jetzt
anmelden!
Liz Nugent ist eine der wirklich, wirklich, wirklich (hier fehlt irgendwie noch ein Ausrufezeichen!) wenigen Thriller-AutorInnen, die ich gerne lese. Ich möchte bei diesem Genre schon auch einfach nur unterhalten werden, aber psychologische Abgründe sind mir lieber als sprachliche. Und viele AutorInnen graben nicht nur nach Leichen im Keller, sondern scheinen mir auch auf der Suche nach dem absoluten Tiefpunkt des sprachlichen Ausdrucks. Liz Nugent jedenfalls beschränkt sich für mich gekonnt nur auf die psychologischen Aspekte - und dabei lotet sie so manchen dunklen Abgrund aus. Natürlich ist auch diese Geschichte ähnlich wie "Seltsame Sally Diamond" etwas konstruiert, aber sie funktioniert was (langsame) Spannung und Twists angeht wieder genauso gut für mich. Zwar ist Ruby Cooper (die titelgebende Figur ist schließlich die relevanteste) nicht ganz so interessant wie "Sally Diamond" im letzten Buch, aber hat ebenso nachvollziehbare soziale Defizite. Und mit diesen erzeugt die Autorin einen sehr schönen Spannungsbogen. Habe ich sehr gern gelesen.
Ich versuche zu ergründen, warum ich Kawakami eigentlich so gerne lese. Das war jetzt das letzte auf Deutsch übersetzte Buch von ihr, das ich gelesen habe - und eigentlich bekommt sie fast immer "nur" solide 4 Sterne von mir. Trotzdem entwickeln ihre regelrecht anti-klimaktischen Romane einen ganz besonderen Sog.
Selbst in ärmlichen Verhältnissen in Osaka aufgewachsen schafft sie es wirklich ausgezeichnet diese Lebensrealität auch auf ihre Figuren zu übertragen. Den ersten Teil der Handlung, der ursprünglich als Novelle "Brüste und Eier" erschien, fand ich dabei sehr gelungen, der zweite Teil war hingegen selbst für ihre Verhältnisse extrem langsam unterwegs. Ähnlich wie die Hauptfigur, auch eine Autorin, schien Kawakami nicht genau zu wissen wohin ihre Geschichte eigentlich gehen sollte. So zumindest mein Gefühl. Aber ich folge diesen Handlungen auch ahnungslos trotzdem ganz gerne und sauge alle kulturellen Aspekte regelrecht auf. Also, keine Literatur, die sich leicht empfehlen lässt, aber immer ein Geheimtipp, wenn man gerne lesend mäandert und sich mit den weniger bekannten Aspekten von Japan auseinander setzen möchte.
Wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, sollte man sich hiervon wirklich fern halten. Das wäre als würde man sich als LVL 1 Noob, ohne Plan und Ausstattung, einem mittelschweren Boss stellen. Kann also nur schlecht enden. Nach Genuss des ersten Bandes jedoch steigt man hier prompt wieder in die Handlung ein und kann es genießen, dass keine Zeit mit irgendwelchen Erklärungen vergeudet wird. Ich habe ohnehin diesmal auch alles andere genossen. Zwar hat sich sprachlich nichts verbessert, aber ich bin demgegenüber wohl mittlerweile immun geworden. Der Humor kommt mir dafür wirklich etwas treffender vor und auch die Ernsthaftigkeit nimmt in gutem Maße zu. Zudem wird man mit jeder Menge Action und einigen neuen Figuren versorgt. Matt Dinniman ist einer der wenigen Autoren dank derer ich das Fantasy Genre noch nicht an den Nagel gehängt habe! Danke dafür!
Wer das Lesen gerne ausübt, um dem sogenannten Eskapismus in fremde Welten zu frönen, dem sei dieses Buch empfohlen, denn damit reist man sogleich mehrere Millionen Jahre weit weg. Thomas Halliday startet diese Reise von der nahen paläontologischen Vergangenheit bis hin zurück zur früheren Entstehungszeit der Erde. Dabei pickt er sich jeweils besonders interessante Regionen aus den „Urwelten“ der Erde heraus und beschreibt dabei das jeweilige Erscheinungsbild von Umwelt, Fauna und Flora. Er geht dabei wissenschaftlich akkurat vor, sorgt aber auch für eine atmosphärische Beschreibung der jeweiligen Welt. Konnte sehr viel aus diesem Buch lernen und dabei hatte es zugleich einen sehr hohen Unterhaltungswert. Ein sehr wertvolles Sachbuch! Als illustrierter Zusatzband eignet sich zudem "Urwelten. Eine illustrierte Entdeckungsreise"(Halliday) , ebenfalls sehr, um die Eindrücke auch visuell zu vertiefen.
Nach meinem ersten Leseerlebnis von Lily King kann ich nun sagen, dass die Autorin mit dieser Geschichte zwar das Rad nicht neu erfindet, aber ins Rollen bringt sie es dennoch. Die Handlung startet in den 90er Jahren und die LeserInnen begleiten die junge Literaturstudentin Jordan bis in die heutige Gegenwart. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf unterschiedliche Klassiker der Literaturgeschichte und es wird auch immer wieder für ein bisschen Ironie zwischen den Zeilen gesorgt. Im Zentrum steht eine (weitestgehend) authentische Liebesgeschichte, die zwar gut und lange kitschfrei bleibt, aber die letzten Kapitel sind schon ein bisschen Kategorie "Tränendrüse". Alles in allem flüssig lesbar und auch berührend, ganz gute Unterhaltungsliteratur also.
Also um eines gleich vorneweg zu sagen; die Handlung des Buches spielt sich in Dungeons ab und die Sprache passt sich dem leider auch an. Folglich fand ich sie schon etwas unterirdisch (badumm tsss). Sowohl was die Derbheit angeht, als auch ganz generell. Aber als Gamerin wollte ich schlichtweg das LitRPG Genre für mich entdecken und mich unterhalten lassen. Dieser Punkteabzug wurde willentlich von vornherein in Kauf genommen. Und unterhalten wurde ich gewiss! Wie in Spielen auch war der Suchtfaktor enorm und ich habe mich in 2 Tagen durch 500 Seiten geleveled (angesichts meines sonstigen Lesetempos verdiene ich dafür definitiv eine Lootbox). Der Witz war manchmal ziemlich pointiert und gelungen, dann wiederum selten dämlich, aber die Handlung war für mich das Zugpferd schlechthin und davon habe ich mich gern bis in die letzten Winkel des Dungeons ziehen lassen. Sehr, sehr unterhaltsam! Und trotz seiner mickrigen Basisintelligenz von 3 zähle ich ab jetzt gern auf Carl! Her mit der nächsten Ebene!
Ein junger schwuler Mann kehrt vom liberalen Festland auf seine Heimatinsel und damit in die religiös geprägte Welt der Äußeren Hebriden zurück. Sein Vater ist strenggläubiger Vorsänger gälischer Bibelgesänge in der presbyterianischen Kirchengemeinde. Konflikte aller Art sind damit natürlich vorprogrammiert. Ich habe es sehr geschätzt, dass man trotz der isolierten Inselwelt nie wirklich wusste wohin die innerliche und äußerliche Reise der Figuren geht. Spannungsbögen wurden aufgebaut und zerfielen abrupt, während andere unerwartet am Horizont auftauchten. Realistische Familiengeheimnisse inklusive. Sehr interessantes Spannungsfeld, ich habe die Figuren gerne begleitet. Ein ordentlicher Schmöker von einem Roman jedenfalls, aber lesenswert.
Man sollte sich schon etwas auf Carys Davies unaufgeregte Weise eine Geschichte zu erzählen einstellen, ehe man zu einem ihrer Bücher greift. So wird man bei ihr nämlich nicht so durchgeschüttelt wie die Hauptfigur Mr. Byrd während seiner täglichen Rikschafahrten - sondern eher auf eine recht gemütliche literarische Spazierfahrt mitgenommen. Natürlich tut sich schließlich etwas entlang des Weges, aber es braucht nunmal etwas Geduld um zu den Sehenswürdigkeiten der Geschichte zu gelangen. Aber ich schätze den Blick der Autorin für Details und ihr Talent Figuren, die ich zunächst als "Ungustl" abtun möchte, plötzlich richtig liebenswürdig zu finden. Und das einfach indem sie an jeder Kreuzung ein kleines Detail mehr auf die Waage legt, die sich schließlich zugunsten ihrer Figuren neigt. Tragisch und schön zugleich!
Manche AutorInnen entdeckt man leider erst recht spät. Oder eher zum Glück? Denn je mehr Bücher einen während eines Leselebens begleiten, desto mehr kann mitunter der Wunsch nach ganz besondererer Lektüre wachsen. Oder auch der Anspruch an die Sprachqualität, in der sie geschrieben sein soll. Also wahrscheinlich habe ich Tarjei Vesaas genau zum richtigen Zeitpunkt entdeckt, denn er begeistert mich aktuell restlos! Was für eine unheimlich eindringliche Sprache! Mein Respekt gilt zudem der großartigen Übersetzung, das kann nicht leicht gewesen sein. Kaum zu glauben jedenfalls, dass das Buch bereits in den 60er Jahren erschienen ist und wenig verwunderlich zugleich, dass der Autor damals als Modernist galt. Auch die besondere Atmosphäre der Geschichte und ihre ganz leise Weisheit haben mir sehr zugesagt. Bin rundum angetan. Ganz besondere Literatur!
Nachdem "Der Friedhofswärter" eines meiner überraschenden Highlights im letzten Jahr war, war ich erfreut über eine weitere Übersetzung von Ron Rash. Zwar bin ich keine begeistere Krimileserin, dachte mir bei diesem Buch jedoch, dass ich mir von dem Autor jedes Genre servieren lasse. Etwa ab der Hälfte fragte ich mich ohnehin, ob das trotz der Handlung überhaupt ein Krimi ist. Zwar gibt es einen Mordfall, einen ermittelnden Sheriff, aber die Geschichte nimmt viele andere Abzweigungen und bietet sehr viel Raum für eher typische Romanfiguren. Aber die Definition ist auch völlig gleich; es ist schlichtweg guter Lesestoff! Recht amerikanisch, mit etwas stereotypen 50er-Jahre Frauenfiguren und doch habe ich nichts auszusetzen. Dieser Autor kann für mich einfach gute Unterhaltungsliteratur schreiben. Es ist ein wenig als würde er Kent Harufs Minimalismus weiter führen – allerdings in eine rauere, dunklere Richtung. Dafür wieder die volle Punktzahl von mir!