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Gut schein

Gerade für Sie gelesen

  • Christina aus unserer Tyrolia-Filiale in Salzburg empfiehlt:

  • Herz König von Lily King

    Nach meinem ersten Leseerlebnis von Lily King kann ich nun sagen, dass die Autorin mit dieser Geschichte zwar das Rad nicht neu erfindet, aber ins Rollen bringt sie es dennoch. Die Handlung startet in den 90er Jahren und die LeserInnen begleiten die junge Literaturstudentin Jordan bis in die heutige Gegenwart. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf unterschiedliche Klassiker der Literaturgeschichte und es wird auch immer wieder für ein bisschen Ironie zwischen den Zeilen gesorgt. Im Zentrum steht eine (weitestgehend) authentische Liebesgeschichte, die zwar gut und lange kitschfrei bleibt, aber die letzten Kapitel sind schon ein bisschen Kategorie "Tränendrüse". Alles in allem flüssig lesbar und auch berührend, ganz gute Unterhaltungsliteratur also.

  • Dungeon Crawler Carl von Matt Dinniman

    Also um eines gleich vorneweg zu sagen; die Handlung des Buches spielt sich in Dungeons ab und die Sprache passt sich dem leider auch an. Folglich fand ich sie schon etwas unterirdisch (badumm tsss). Sowohl was die Derbheit angeht, als auch ganz generell. Aber als Gamerin wollte ich schlichtweg das LitRPG Genre für mich entdecken und mich unterhalten lassen. Dieser Punkteabzug wurde willentlich von vornherein in Kauf genommen. Und unterhalten wurde ich gewiss! Wie in Spielen auch war der Suchtfaktor enorm und ich habe mich in 2 Tagen durch 500 Seiten geleveled (angesichts meines sonstigen Lesetempos verdiene ich dafür definitiv eine Lootbox). Der Witz war manchmal ziemlich pointiert und gelungen, dann wiederum selten dämlich, aber die Handlung war für mich das Zugpferd schlechthin und davon habe ich mich gern bis in die letzten Winkel des Dungeons ziehen lassen. Sehr, sehr unterhaltsam! Und trotz seiner mickrigen Basisintelligenz von 3 zähle ich ab jetzt gern auf Carl! Her mit der nächsten Ebene!

  • John of John von Douglas Stuart

    Ein junger schwuler Mann kehrt vom liberalen Festland auf seine Heimatinsel und damit in die religiös geprägte Welt der Äußeren Hebriden zurück. Sein Vater ist strenggläubiger Vorsänger gälischer Bibelgesänge in der presbyterianischen Kirchengemeinde. Konflikte aller Art sind damit natürlich vorprogrammiert. Ich habe es sehr geschätzt, dass man trotz der isolierten Inselwelt nie wirklich wusste wohin die innerliche und äußerliche Reise der Figuren geht. Spannungsbögen wurden aufgebaut und zerfielen abrupt, während andere unerwartet am Horizont auftauchten. Realistische Familiengeheimnisse inklusive. Sehr interessantes Spannungsfeld, ich habe die Figuren gerne begleitet. Ein ordentlicher Schmöker von einem Roman jedenfalls, aber lesenswert.

  • Das Pfarrhaus von Carys Davies

    Man sollte sich schon etwas auf Carys Davies unaufgeregte Weise eine Geschichte zu erzählen einstellen, ehe man zu einem ihrer Bücher greift. So wird man bei ihr nämlich nicht so durchgeschüttelt wie die Hauptfigur Mr. Byrd während seiner täglichen Rikschafahrten - sondern eher auf eine recht gemütliche literarische Spazierfahrt mitgenommen. Natürlich tut sich schließlich etwas entlang des Weges, aber es braucht nunmal etwas Geduld um zu den Sehenswürdigkeiten der Geschichte zu gelangen. Aber ich schätze den Blick der Autorin für Details und ihr Talent Figuren, die ich zunächst als "Ungustl" abtun möchte, plötzlich richtig liebenswürdig zu finden. Und das einfach indem sie an jeder Kreuzung ein kleines Detail mehr auf die Waage legt, die sich schließlich zugunsten ihrer Figuren neigt. Tragisch und schön zugleich!

  • Das Eis-Schloss von Tarjei Vesaas

    Manche AutorInnen entdeckt man leider erst recht spät. Oder eher zum Glück? Denn je mehr Bücher einen während eines Leselebens begleiten, desto mehr kann mitunter der Wunsch nach ganz besondererer Lektüre wachsen. Oder auch der Anspruch an die Sprachqualität, in der sie geschrieben sein soll. Also wahrscheinlich habe ich Tarjei Vesaas genau zum richtigen Zeitpunkt entdeckt, denn er begeistert mich aktuell restlos! Was für eine unheimlich eindringliche Sprache! Mein Respekt gilt zudem der großartigen Übersetzung, das kann nicht leicht gewesen sein. Kaum zu glauben jedenfalls, dass das Buch bereits in den 60er Jahren erschienen ist und wenig verwunderlich zugleich, dass der Autor damals als Modernist galt. Auch die besondere Atmosphäre der Geschichte und ihre ganz leise Weisheit haben mir sehr zugesagt. Bin rundum angetan. Ganz besondere Literatur!

  • Nachdem "Der Friedhofswärter" eines meiner überraschenden Highlights im letzten Jahr war, war ich erfreut über eine weitere Übersetzung von Ron Rash. Zwar bin ich keine begeistere Krimileserin, dachte mir bei diesem Buch jedoch, dass ich mir von dem Autor jedes Genre servieren lasse. Etwa ab der Hälfte fragte ich mich ohnehin, ob das trotz der Handlung überhaupt ein Krimi ist. Zwar gibt es einen Mordfall, einen ermittelnden Sheriff, aber die Geschichte nimmt viele andere Abzweigungen und bietet sehr viel Raum für eher typische Romanfiguren. Aber die Definition ist auch völlig gleich; es ist schlichtweg guter Lesestoff! Recht amerikanisch, mit etwas stereotypen 50er-Jahre Frauenfiguren und doch habe ich nichts auszusetzen. Dieser Autor kann für mich einfach gute Unterhaltungsliteratur schreiben. Es ist ein wenig als würde er Kent Harufs Minimalismus weiter führen – allerdings in eine rauere, dunklere Richtung. Dafür wieder die volle Punktzahl von mir!

  • Anne of Green Gables von L. M. Montgomery

    Gerade bei anhaltender Leseflaute ist dieses Buch genau das richtige Zuckerl, um einen wieder auf den literarischen Geschmack zu bringen. Zunächst war ich unentschlossen, ob mich die kleine Anne mit ihren Aufmerksamkeitsdefiziten und Tendenzen zu ununbrochenem Redeschwall gut unterhalten würde. Doch die Überzeugung stärkte sich doch nach und nach, dieses Buch ist einfach zurecht ein Klassiker geworden. Trotz etwas veralteter Moral ist diese Geschichte voller Witz, zauberhaften Naturbeschreibungen und liebenswürdigen Figuren. Ein bisschen Kitsch schwingt schon immer wieder mit rein, aber in gut aushaltbaren Dosen. Auch für Erwachsene also genau das richtige literarische Kleinod.

  • Die Probe von Katie Kitamura

    "Kann sich eine Geschichte in beide Richtungen entfalten?" fragt sich die Hauptfigur gegen Ende dieses Buches. Nach dem Abschluss der Lektüre werde ich antworten und zwar: "Ja. Mindestens!". Die Autorin legt hier nämlich mehrere Lebensrealitäten übereinander, spielt geschickt mit vagen Formulierungen und fordert dabei einiges an Konzentration von ihren LeserInnen. Welche Realität denn nun letztlich wahr ist, welche vielleicht nur gespielt oder wo sich womöglich eine weitere Sub-Ebene verbirgt, ist gar nicht so leicht auszumachen. Das Buch hat mich letztlich überzeugt und das obwohl ich das Grundthema, nämlich unehrliche, zwischenmenschliche Kommunikation, eigentlich nicht besonders reizvoll finde. Aber Kitamura gelingt es diesen Stoff voll auszuschöpfen.

  • Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

    "Ich, die ich Männer nicht kannte" -erstmals veröffentlicht 1995- erfreut sich seit einigen Jahren der Wiederentdeckung und steigender Beliebtheit, inklusive euphorischer Bewertungen im Internet. Dem kann ich mich nur anschließen. Eine Dystophie durch und durch beginnt das Buch mit einer namenlosen Erzählerin, die mit 39 anderen Frauen in einem Bunker festgehalten wird. Warum weiß keine der Frauen, Erinnerungen verschwimmen, die Zukunft scheint ungewiss. Kein Buch für richtig gute Laune, aber eines, das stolz neben Atwood und Haushofer auf ein Podest gehoben werden sollte! Auf wenigen Seiten entwirft Jacqueline Harpman eine tiefgründige, zeitlose Erzählung, die die menschliche Existenz wiederholt in Frage stellt. Ein sehr lohnenswertes Leseerlebnis - damals wie heute!

  • Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro

    Ich habe schon Rezensionen gelesen, in denen „Alles was wir geben mussten“ als „Schnarchparty“ bezeichnet wurde. Ich kann diesen Vorwurf zwar im Ansatz nachvollziehen –Ishiguru ist ein feiner Stilist, der seinen Figuren sehr viel Zeit gibt- aber zustimmen kann ich dem keineswegs. Ich schätze die Langsamkeit mit der er seine Geschichten aufbaut und mit welcher Heftigkeit die Höhepunkte daher schließlich umso stärker einsetzen. Die Ruhe und Passivität, mit der die Figuren hier auf ihr scheinbar unausweichliches Schicksal reagieren, wirkt daher während des Lesens immer wieder wie ein sanfter Schlag in die Magengrube. Ein Buch, das durchaus das Potential hat starke Emotionen zu erzeugen, positiv wie negativ. Und diese wirken lange nach, denn in Ishigurus Langsamkeit liegt eine große, literarische Kraft.