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Ein Jahr, eine Straße, ihre Menschen: Robert Seethalers neuer Roman
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.
Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander?
Maxie ist Buchhändlerin in unserer Tyrolia-Filiale in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck. Ihre Spezialität sind Kochbücher - aber in ihrer Freizeit verschlingt sie alle möglichen Bücher, von Romanen bis zu den spannendsten Thrillern.
Ich habe nichts mitgenommen und nichts hinterlassen. Ich hatte nur dieses eine Leben."
Der schönste Ort in der kleinen Stadt ist eigentlich der Friedhof, von allen nur "Das Feld" genannt. Wenn man sich anstrengt, kann man vielleicht die Stimmen der Toten, die dort liegen, hören. Es sind die Stimmen von Pfarrer Hoberg, der eines Tages die Kirche angezündet hat; von Navid al-Bakri, der vernünftig genug war, sich seine Träume nicht zu erfüllen; von Annelie Lorbeer, zu der die Männer stets gut waren, was sie immer verwundert hat, denn sie war nie gut zu den Männern; von Herrn Leydicke, der niemals "Ich liebe dich" gesagt hat, denn die Liebe ist doch kein Tauschgeschäft, und mit ziemlicher Sicherheit war das der größte Fehler von allen; die Stimmen von 25 weiteren Toten, die ein letztes Mal Gelegenheit bekommen, gehört zu werden. Vielleicht kann der Mensch erst dann über sein Leben urteilen, wenn er sein Sterben hinter sich gebracht hat?
Robert Seethaler hat ein Buch geschrieben, das mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. Seine Sprache ist so wunderschön und geht so zu Herzen, dass ich manche Stellen (viele!) mehrmals gelesen habe, um sie voll auszukosten.